Man kann viele Facetten von Social Media herausgreifen und analysieren: Was bringt Web2.0 für die Reputation von Unternehmen, welchen Mehrwert hat es für Kunden, doch eine Frage interessiert im Hinblick auf die Umsatzgenerierung von Unternehmen besonders: Welchen Einfluss hat das Social Web auf den Verkauf von Produkten?

Um eine Antwort zu finden gilt es die Entwicklungen im Online-Handel näher zu betrachten. In diesem Zusammenhang gibt es einen Begriff, der in den letzen Jahren fast schon inflationär verwendet wurde: Social Commerce – eine Kombination von Social Media und E-Commerce. Die grundsätzliche Idee dahinter, nämlich der Dialog zwischen Händler und Kunde oder Kunde und Kunde ist sehr alt. Schon im Mittelalter gab es Marktplätze auf den man über Produkte und Neuigkeiten geredet hat. Dank neuer technologischer Gegebenheiten wurde dieser Ansatz nicht nur ins Web übertragen, sondern grundlegend weiterentwickelt und erhält deshalb eine neue Brisanz. Die folgenden 5 Trends zeigen die zukünftige Ausrichtung des Online-Handels:

Club-/Echtzeit-Shopping
In Shopping-Clubs erhalten angemeldete User exklusive Angebote zu tiefpreisiger Markenware. Bekannte Unternehmen können so Restposten verkaufen ohne Imageeinbußen hinnehmen zu müssen. Das Gegenteil ist der Fall: durch das exklusive Ambiente, die Limitiertheit der Artikel und die kurze zeitliche Verfügbarkeit entsteht ein regelrechter Kaufzwang.
vente-privee, brands4friends, limango

Mass Customization
Ein weiterer Trend ist das sogenannte Mass Customization. Damit ist das individuelle gestalten eines Massenproduktes gemeint. Gleich dem Baukastenprinzip, kann der Käufer in einem Online-Konfigurator Variablen des gewünschten Artikels, wie Farbe, Muster, Form und Beschaffenheit nach eigenem Belieben wählen. Es wird das Gefühl vermittelt, dass besser auf die spezifischen Kundenbedürfnisse eingegangen wird als bei Standardprodukten. Durch den modularen Aufbau der Komponenten hat auch der Händler Vorteile, denn Skaleneffekte und Prozessautomatisierung führen zu einer kostengünstigen Produktion.
mymuesli, spreadshirt, sonntagmorgen

Social Graph
Es gibt viele spannende Produkte und Funktionen im E-Commerce, doch was wären diese Produkte ohne die Chance sie mit dem eigenen sozialen Netzwerk teilen zu können? Die Einbindung von externen Social Networking Plattformen ist bereits verbreitet, wie z.B. die Share-it oder die Facebook-Like Funktionen auf der Webseite. Umgekehrt wird es aber auch zunehmend wichtiger, dass der E-Commerce im Social Web vertreten ist. Der Online-Handel steht der Teilnahme jedoch häufig kritisch gegenüber, denn einerseits können sie zwar von dieser Integration, durch authentische Aussagen profitieren. Andererseits bedeutet dies aber auch den Kontrollverlust der Kommunikation.
H&M, 1-800-Flowers, levis

augmented reaility
Im klassischen E-Commerce wurden viele Käufer von der Tatsache abgeschreckt, dass man Produkte nicht real oder an der eigenen Person sehen konnte. Doch mit Hilfe von Augmented Reality wird dies möglich. Gerade im Fashion Bereich dient es als virtuelle Umkleidekabine, ausgewählte Artikel können mittels Webcam „anprobiert“ werden. Dadurch wird das eigentlich abstrakte Online-Shopping zum greifbaren Erlebnis, dass man gerne mit seinen Bekannten teilt.
zugara, tissot, ray-ban

M-Commerce
Laut einer Bitkom Studie geht jeder vierte Internetnutzer mobil Online. Darauf muss sich auch der E-Commerce einstellen. Gemeint sind damit nicht nur die mobilen Webseiten, die für IPhone und Co. optimiert sind, sondern auch Apps und mobile Payment. Das Schlagwort zur Konzeption im mobile Web lautet Usability. Wichtig sind kurze Ladezeiten, Such- und Bestellvorgänge. Es reicht also nicht, das bestehende Shopsystem auf die verkleinerte Displaygröße anzupassen, sondern die Prozesse müssen überarbeitet werden. Darüber hinaus, bietet das mobile Internet auch die Möglichkeit die reale Welt mittels Location Based Services in das Online-Geschehen einzubeziehen.
otto, bestsecret, coop

Fazit
Wenn man nun die Trends genauer betrachtet, stellt man fest, dass alle eine gemeinsame Basis haben. Es geht darum Menschen zu vernetzen und den Dialog untereinander zu fördern. Das geschieht Orts- und Zeitunabhängig, genauso wie die Beschaffung von Produktinformationen oder der eigentliche Kauf. Für die Händler hat das zur Folge, dass sie sich intensiver mit den Kunden – ihren Meinungen und Bedürfnissen – auseinander setzen und die veraltete Marketingkommunikation überarbeiten müssen. Nur dann kann Social Commerce einen Mehrwert bieten und den eigenen Absatz steigern.