Das Internet ist ein stetig wachsendes Sammelsurium aus Inhalten und Informationen. Es ist flüchtig, multimedial und in seinem Ausmaß nicht greifbar. Jeden Tag wird es ein Stück schwieriger, jene Informationen und Inhalte aus der Flut zu filtern, die für uns relevant sind. Dank Google+ wird uns die größte Suchmaschine der Welt dabei zukünftig besser unterstützen (natürlich nicht aus reiner Nächstenliebe). Mit seinem sozialen Netzwerk zieht Google eine neue Dimension der Relevanz in unsere Suchergebnisse: ein Trade-off.

Relevanz im Web
Früher war das Internet einfach nur das Web. Relevant war, was viele relevant fanden und verlinkt haben. Diesen Aspekt machte sich Google in seinem Suchalgorithmus zu Eigen und wurde die größte Suchmaschine weltweit. Heute ist das Internet das Social Web. Relevant ist, was viele, aber vor allem die eigenen Kontakte relevant finden und verlinken. Diesen Aspekt versucht sich Google nun mit seinem vor wenigen Monaten gelaunchten sozialen Netzwerk Google+ zu Eigen zu machen. Damit erfährt die soziale Komponente eine neue Gewichtung bei der Suche nach und dem Finden von relevanten Inhalten in den Tiefen des Webs.

Persönliche Relevanz
Mit meinen Freunden verbindet mich persönliche Nähe. Mich interessiert, was sie bewegt, was sie mögen und was sie mir empfehlen. Diese Basis der Nähe und des Vertrauens macht Empfehlungen, Meinungen und Inhalte von ihnen besonders relevant für mich. Anonyme Meinungen in Foren und Blogs können die persönliche Empfehlung eines Freundes nicht ersetzen, wie Untersuchungen zeigen. Wenn ich ein Hotel in New York suche, kann ich zwar Tripadvisor durchforsten (was ich auch regelmäßig bei Reiseplanungen tue), aber der Tipp eines Freundes ist besonders wertvoll.

Inhaltliche Relevanz
Doch nicht nur die persönliche Nähe und Vertrauen machen Inhalte für uns relevant. Gerade fachliche Themen, aber auch gemeinsame Interessen, verbinden uns mit Menschen, die wir nicht persönlich kennen. Beim Thema Onlinekommunikation und Social Media (aus Unternehmensperspektive) interessieren mich Empfehlungen, Meinungen und Inhalte der einschlägigen Multiplikatoren. Frei nach dem Amazon-Prinzip: „Personen, die diesen Artikel empfohlen haben, empfehlen auch“. Manchmal wird ein Beitrag auch erst durch die Anschlusskommunikation interessant. Nicht, dass der Blogartikel über die Adidas Social Media Krise von Tapio Liller vergangene Woche nicht per se lesenswert gewesen wäre, aber besonders spannend waren die Diskussionen und Reaktionen, die sich dadurch entfacht haben.

Google+ & die Suche der Zukunft
Verschiedene Aspekte spielen bei dem Thema der individuellen Relevanz zusammen. Die Suche der Zukunft weiß diese unterschiedlichen Aspekte intelligent zu verknüpfen. Schließlich interessiert es mich weniger, wohin ein @saschalobo, @Nico oder @sixtus in den Urlaub fahren oder was sie am Wochenende gemacht haben, aber dafür was sie über Social Media, Kommunikation und noch ein paar andere Dinge zu sagen haben.
In meinem Freundeskreis möchte ich aber gerade diese persönlichen Statements und Informationen nicht missen. Die Circles in Google+ geben dabei ersten Aufschluss darüber, was mich interessiert und worin sich dies unterscheidet. Meine Kontakte packe ich durch Circles in Schubladen – nach unterschiedlichen Kriterien wie Themen, Beziehungsebene oder Sprachen. Es ist kein Zufall, dass das Prinzip mit den Circles eines der zentralen konzeptionellen Säulen von Google+ ist. Google will nicht nur wissen, was uns interessiert, sondern auch was von wem. Zukünftig können dadurch den Nutzern bessere Suchergebnisse (und auch Werbung) angeboten werden. Lesenswert ist in diesem Zusammenhang auch der Artikel im ReadWriteWeb “Google+ Was Never a Facebook Competitor”.

Explorieren & Entdecken
Doch nicht nur für das aktive Suchen, die klare Stärke von Google als Suchmaschine, spielen die über die Nutzer gewonnenen Informationen aus Google+ eine wichtige Rolle. Wir wollen ja nicht nur bei konkretem Bedarf nach relevanten Informationen suchen, sondern entlang unserer Interessen, persönlichen Beziehungen und Vorlieben mit ihnen versorgt werden. Wir möchten nicht die Nadel im Heuhaufen suchen, sondern in vorsortierten Inhalten stöbern und sie explorieren.

Exploratives Suchen: Pinterest als interaktive Spielwiese und Fundgrube für diverse Inhalte

Neue Marktplätze der Vorlieben & Interessen, wie Pinterest, und Aggregationspunkte von Informationen & Diskussionen im Web, wie Storify, sprießen derzeit aus dem Webboden (und werden bereits fleißig geklont). Wirklich spannend erweisen sich solche neuen Dienste jedoch nur, wenn sich dort – aus meiner Sicht – genug relevante Inhalte befinden. Dafür sind jedoch Informationen über die Nutzer notwendig, wovon Google schon einige hat. Mit Google+ eröffnet sich eine neue Quelle für Informationen über die Nutzer.

Pakt mit Google
In Facebook teilen meine Freunde primär etwas mit mir, wenn ihnen etwas gefallen hat oder wenn sie etwas bewegt (persönliche Relevanz). In Twitter folge ich anderen Nutzern, weil sie für mich als Informationsfilter für Themen, die mich interessieren, fungieren (inhaltliche Relevanz). Im Moment bedeutet das aber eben auch, dass ich dann lesen muss, was jemand zu Mittag gegessen hat und dass irgendein Zug der Deutschen Bahn Verspätung hatte. Das geht doch besser, oder Google?

Deal: Ich sage dir, wer und was mich interessiert und Du kannst entsprechend Werbung schalten. Dafür musst Du für mich im Dickicht des Webs die Inhaltstrüffel suchen – und zwar nur die richtig Relevanten.